Heuschnupfen

Was ist darunter zu verstehen?

Eine allergische Entzündung der Nasenschleimhaut wird im Volksmund Heuschnupfen genannt. Der Begriff Heuschnupfen ist aber nicht richtig, denn eine allergische Entzündung der Nasenschleimhaut wird nicht durch Heu, sondern durch Pollen (auch Gräserpollen) hervorgerufen.

Pollenallergie oder saisonale Rhinitis sind zutreffendere Bezeichnungen.

Die häufigsten Auslöser von Atemwegs-Allergien sind Pollen, aber auch Hausstaubmilbenkot, Tierhaare, -schuppen und -sekrete sowie Schimmelpilzsporen.

Etwa 20% der Bevölkerung leiden unter Allergien und dieser Anteil nimmt zu.

Neben einer genetischen Veranlagung werden Lebensgewohnheiten, mangelndes Training des Immunsystems besonders in den ersten Lebensjahren und weitere Umweltfaktoren als Auslöser dieser Allergien vermutet. Erhöhte Ozonkonzentrationen am Erdboden, starke Verkehrsbelastung und Zigarettenrauch werden als allergiebegünstigende Faktoren angesehen.

Wie äußert sich die Pollenallergie?


Eine Pollenallergie ist, wie jede allergische Nasenschleimhautentzündung (Rhinitis), durch Niesen, Nasenjucken, vermehrte Nasensekretion und eine behinderte Nasenatmung charakterisiert. Als weitere Symptome können Mundtrockenheit, Halskratzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie Konzentrationsschwäche auftreten. Häufig sind auch die Augen mit einem quälenden Juckreiz am inneren Augenwinkel und gesteigertem Tränenfluss betroffen.

In extremen Situationen oder unter ungenügender Behandlung kann es auf Grund starker Schleimhautschwellung in den Bronchien zu asthmatischen Beschwerden mit Atemnot kommen. Patienten mit allergischer Rhinitis haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko für Asthma bronchiale. Auch Begleitinfektionen mit Entzündung der Nebenhöhlen sind möglich.

Der allergische Schnupfen stellt also eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität dar.

Wie kann die Pollenallergie erkannt werden?


Neben den genannten Symptomen gibt ein Allergietest beim Hautarzt oder Allergologen Auskunft über eine Allergie und ihre einzelnen Auslöser. Häufige Auslöser sind die Pollen der Birke, der Haselnuss und verschiedene Gräserpollen.

Können Pollenallergiker auch sonst leichter allergisch reagieren?


Ja, Patienten mit Pollenallergie haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein dreifach höheres Risiko, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. Ursächlich für eine Nahrungsmittelallergie ist die ähnliche Eiweißstruktur in Pflanzenallergenen und den aus den entsprechenden Pflanzen hergestellten Nahrungsmitteln.

Diese so genannten Kreuzallergien sind bekannt für:


Baumpollen

Z. B. Birke, Buche, Edelkastanie, Eiche, Erle, Hainbuche, Hasel und Platane. Kreuzallergien bei Baumpollen kommen oft vor, so dass eine Birkenpollenallergie häufig mit einer Allergie gegen andere Baumpollen einhergeht. Außerdem haben Allergiker, die auf Baumpollen allergisch reagieren, häufig auch Probleme mit rohem Stein- oder Kernobst,
z.B. mit

Apfel, Birne, Zwetschge, Kirsche, Pfirsich und Aprikose.

Als weitere Auslöser für allergische Symptome sind Mandeln und Nüsse, vor allem die Haselnuss, einige rohe Gemüsesorten wie Sellerie und Karotten sowie Gewürze, z. B. Paprika, Knoblauch, Anis und Currygewürz bekannt.

Es handelt sich bei diesen Beschwerden um die sogenannte pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie. Birkenpollenallergiker verspüren häufig nach dem Genuss von Äpfeln Juckreiz und ein pelziges Gefühl am Gaumen und an den Lippen. Diese Symptome werden unter dem Begriff `orales Allergie-Syndrom` zusammengefasst und treten nur nach Genuss von frischem Obst und Gemüse (häufig: Möhren) und nur bei bestimmten Sorten auf.

Weitere Beschwerden, die bei pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie durch das Essen von Obst ausgelöst werden, sind:

allergischer Schnupfen, allergische Bindehautentzündung, Quincke-Ödem (schmerzhafte, mehrere Tage anhaltende Schwellung von Haut und Schleimhaut), Asthma und Magen-Darm-Probleme. Diese Nahrungsmittelallergie kommt nur sehr selten bei Personen ohne Heuschnupfen vor.

Die entsprechenden Nahrungsmittel sind von den Allergikern nach Möglichkeit zu meiden. Zu unterscheiden sind noch hitzeempfindliche und hitzestabile Nahrungsmittelallergene.


Allergene von einigen Gemüsesorten (Möhren) und vielen Obstsorten, z. B. Apfel, Birne, Pfirsich und Aprikose sind hitzeempfindlich. Im Allgemeinen werden diese Nahrungsmittel nach dem Erhitzen gut vertragen.

Zu den hitzestabilen Nahrungsmitteln gehören Soja, Erdnuss, Haselnuss, Sellerie, einige Gewürze und Senf. Auf diese Nahrungsmittel muss nach Möglichkeit ganz verzichtet werden, wenn sie als Allergieauslöser bekannt sind.

Die Hauptflugzeit der Baumpollen liegt zwischen Januar und Mai.

Gräserpollen

Bei praktisch allen Gräserpollen sind Kreuzallergien möglich, besonders beim Wiesenfuchsschwanz, Glatthafer, Knäuelgras und Lolch.

Unter den Getreidepollen ist der Roggen besonders allergen, weniger das Schilf, der Mais und der Bambus.

Allergiker, die auf Getreidepollen allergisch reagieren, können auch häufig auf Getreidekörner und Hülsenfrüchte wie Bohne, Erbse, Erdnuss, Linse und Soja reagieren. Auch beim Verzehr von Tomaten und Honigmelonen, Kartoffeln, Kiwi, Spinat und Wassermelonen können Symptome auftreten.

Bei warmem, windigem und trockenem Wetter, besonders in den frühen Morgenstunden, ist der Pollenflug am stärksten. An Regentagen bleiben die Blüten verschlossen.

Die Hauptflugzeit der Gräserpollen liegt zwischen Mai und August.
    
Kräuterpollen

Besonders häufig tritt eine Allergie gegen Beifußpollen auf, aber auch die Spitzwegerichpollen erzeugen Allergien. Kreuzreaktionen sind bei Chrysanthemen, Gerbera, Goldrute, Kamille und Margerite möglich. Auch mit Nahrungsmitteln kann es Probleme geben, z. B. mit verschiedenen Gemüsesorten und Gewürzen wie Artischocke, Anis, Basilikum, Majoran, Dill, Fenchel, Karotte, Sellerie, Paprika und Pizzagewürz. Bei einer Allergie gegen Beifußpollen ist häufig mit einer Reaktion auf Sellerie zu rechnen.

Die Hauptflugzeit der Kräuterpollen liegt zwischen Juli und Oktober.
 
Die Größe der vom Wind getragenen Pollen schwankt zwischen 10--60 µm, die Masse ist etwa 0.5 µg. Die allergene Bedeutung und die Flugfähigkeit hängen von der Pollengröße und dem Gewicht ab.

Einige Beispiele für Pollengrößen: Erle 21-24 µm, Birke 19-22 µm, Hasel 20-25 µm, Beifuß 17-18 µm, Roggen 40-60 µm .

Die Pollenkörner sind von einer festen Hülle umgeben, erst durch Kontakt mit Wasser, feuchter Haut oder feuchten Schleimhäuten werden die einzelnen Komponenten aktiviert und freigesetzt. Kreuzallergien können bei unspezifischen Enzymen und ähnlich gebauten Proteinen aus der gleichen Familie, Gattung oder auch aus der Nahrung auftreten, nicht aber bei Allergien, die sich ausschließlich gegen speziespezifische Verbindungen richten.

Was Können Sie selbst tun?


Nachdem Sie über Ihre Allergieauslöser informiert sind, Sie also mit Ihrem Arzt darüber gesprochen haben:

Legen Sie den Jahresurlaub in die Pollensaison und verbringen Sie die freien Tage an einem pollenarmen Ort, zum Beispiel am Meer oder im Hochgebirge.

Schließen Sie beim Autofahren die Fenster und schalten Sie die Lüftung aus (oder bauen Sie einen Pollenfilter ein).
Waschen Sie vor dem Schlafengehen die Haare. Wechseln Sie Ihre Kleidung, wenn Sie von draußen kommen. Lüften Sie die Zimmer nur kurz: In der Stadt am besten morgens zwischen 6:00 und 8:00 Uhr, in ländlichen Gebieten zwischen 19:00 und 24:00 Uhr.

Schlafen Sie nicht bei offenem Fenster.

Während der Blütezeit "Ihrer" Pollen sollten Sie Ihre Wäsche nicht zum Trocknen im Freien aufhängen.

Treiben Sie während dieser Zeit keinen Sport im Freien.

Was kann die Apotheke für Sie tun?

Es gibt eine Vielzahl von nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die Ihre Beschwerden lindern können. Die älteren Vertreter dieser Gruppe wirken noch sedierend, einige werden sogar als Schlaftabletten eingesetzt.

Zur Vorbeugung eignen sich Nasensprays und Augentropfen mit Cromoglicinsäure, die mehrmals täglich angewendet werden sollten. Antiallergisch wirkende Tabletten, die Antihistaminika mit den Wirkstoffen Loratadin und Cetirizin enthalten kaum sedierende Eigenschaften, im Gegensatz zu Dimenhydrinat und Clemastin in den älteren Präparaten.

Die üblichen Nasensprays gegen Erkältungs-Schnupfen sollten, wenn überhaupt, nur wenige Tage angewendet werden, da bei Dauergebrauch ein Abhängigkeitsrisiko besteht und die Nasenschleimhaut geschädigt wird.

Nasensprays und Augentropfen zur Akuttherapie sind zum Teil nicht verschreibungspflichtig.

Alternativ ist die Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln, auch in Kombinationen, möglich, z. B. mit Luffa, Galphimia oder Cardiospermum. Auch eine Akupunkturbehandlung kann erfolgreich sein.

Wann Sie den Arzt aufsuchen müssen:


Bei anhaltenden, starken Beschwerden, besonders wenn die Bronchien betroffen sind, ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen, auch zur Abklärung einer Allergie. Kinder unter sechs Jahren und Schwangere sollten auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Eine sehr wirksame, aber zeitaufwendige Anpassung des Organismus an allergieauslösende Stoffe, eine Hyposensibilisierung, bietet sich besonders als Behandlung schwerer Allergien an. Eine Hyposensibilisierung kann allerdings ebenfalls nur beim Arzt durchgeführt werden.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Alle elektromikroskopischen Aufnahmen: Dr. med. Bernhard Wiedemann,
www.bewie.de

www.donnerwetter.de
www.polleninfo.org
www.adiz.de


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